Schöne Statistiken

Alexander Bondar, 12. Juli 2010

Ich mag Statistiken (wie man es bei meinem Einbürgerunsgtest eindeutig sieht), ich mag sie wirklich sehr. Was aber momentan in den Medien geboten wird, ist beeindruckend. Vor allem ist die Selbstverständlichkeit beeindruckend, mit der vor der Kamera in einer Nachrichtensendung gelogen schöngeredet wird.

Nach den Klimaanlagen-Ausfällen am vergangenen Wochenende geriet die Bahn in Erklärungsnot und schickte den Herrn Jürgen Kornmann vor die Kamera. In dem Interview mit ZDF heute journal (noch online bei Youtube) sprach der Mann von 1400 Vernverkehrsverbindungen in Relation zu 3 Totalausfällen an einem Tag. Dies suggeriert eine Ausfallquote von gerade einmal 0,2%.

Gänzlich davon abgesehen, dass es mit großer Sicherheit ICEs gibt, die sehr kurze Strecken bedienen und im Fahrplan als Fernverkehrszüge auftauchen (nicht nachgeforscht, aber im wahrsten Sinne des Wortes erfahren bei dem IRE zwischen Vaihingen (Enz) und Stuttgart), vergleicht der Mann Äpfel mit Birnen. Denn ausgefallen sind nicht nur drei Verbindungen, sondern drei Züge, die mehrere Verbindungen an einem Tag bedienen dürfen. Und, was auch immer die Bahn AG als Fernverbindung ansehen möchte — in Diskussion stehen momentan die unter der Bezeichnung „ICE“ bekannten Züge.

Momentan besitzt die Bahn nach eigenen Angaben 193 theoretisch einsetzbare ICEs. Theoretisch, weil man bei der 2. und 3. Baureihe die Halbzüge aufgelistet hat. Nimmt man an, dass die Halbzüge wie auch der Name bereits vorgibt paarweise eingesetzt werden, so hat die Bahn nur noch 126 einsetzbare ICEs. Und das bei der großzügiger Annahme, dass kein einziger Zug in Wartung oder Reparatur sich befindet.

Damit ergibt sich eine Ausfallrate von 1,6% bzw. 2,4%, was dem 8- bzw. 12-Fachen der vom Bahnsprecher suggerierten Ausfallrate entspricht. Und das unter der unrealistischen Annahme der absoluten Wartungsfreiheit.